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  4. Christine Lambrecht: Nach dem Rücktritt der Verteidigungsministerin bleiben alte Probleme

Herausforderung für PistoriusDie Männer in der zweiten Reihe bleiben ein Problem

Christine Lambrecht schmeißt hin, Boris Pistorius soll übernehmen. Der Nachfolger wird tieferliegende Probleme erben – und lösen müssen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Max Biederbeck 17.01.2023 - 10:55 Uhr aktualisiert

Auch mit Christine Lambrechts Abgang hören die Probleme bei der Bundeswehr nicht auf

Foto: imago images

Es gehört zur besonderen Tragik Christine Lambrechts (SPD), dass sie selbst bei ihrem Abgang nicht Herrin des Verfahrens war. Ganze drei (!) Tage dauerte es, bis die medial bereits abgesetzte Verteidigungsministerin tatsächlich zurücktrat. Und das geschah dann auch nur in Schriftform inklusive kleinem Seitenhieb gegen die Berichterstattung. „Die mediale Fokussierung“ auf ihre Person lasse keine sachlichen Diskussion mehr zu, schrieb Lambrecht. Und weg war sie. Es muss jetzt zu den ersten Lehren ihrer Nachfolgerin gehören, dass genau diese sachliche Diskussion eben Lambrechts größtes Manko war – und dass Sachfragen auch in Zukunft ein Problem darstellen werden.

Ja, die Ministerin war für viele ein dankbares Ziel, nicht zuletzt wegen ihres unglücklichen Silvester-Videos, wegen ungeschickter öffentlicher Fehler und mangelnder militärischer Bildungsbereitschaft. Viel schlimmer aber waren Lambrechts interne Schwierigkeiten. Während ihrer kurzen Amtszeit konnte sie sich bei Sachthemen schlicht nicht gegen die eigenen Leute durchsetzen, wollte es vielleicht auch nicht.

Wer sie im politischen Berlin verteidigte, sprach während der vergangenen Monate von einer „internen Demontage“ der SPD-Ministerin. Wer sie kritisierte, warf ihr einen „Weg des geringsten Widerstands“ im eigenen Haus vor. Sie lasse sich alles vorbeten, nur um irgendwie durch die plötzlich so überfordernde Zeitenwende zu steuern.

Lambrechts Nachfolger

Pistorius wird Verteidigungsminister – Scholz: Truppe wird ihn mögen

Kritik an der zweiten Reihe

Gesprächspartnerinnen übten folglich stetige und laute Kritik an der zweiten Reihe. Weniger öffentlich diskutierte Namen wie Zorn (Generalinspekteur), Zimmer (Staatssekretär) und Stawitzki (Chefbeschaffer). Jeder dieser Männer mit eigener Meinung, mit eigener Agenda, ordentlichem Ego und eigener Gangart – und Lambrecht setzte sich nie gegen sie durch.

Diese Egos werden ihre alte Chefin jetzt überleben, auch weil ihr Sachverstand der militärischen Materie unverzichtbar ist. Deutschland erlebt sozusagen auch bei der Führung der Truppe einen Fachkräftemangel.

Das aber macht die Herren im Ministerium extrem mächtig, mit Lambrechts Abgang sogar ein Stück weit unangreifbar. Entscheidend für den Erfolg des Nachfolgers Pistorius wird es sein, trotzdem wieder die nötige Hierarchie herzustellen. Sich durchzusetzen mit klaren Ansagen und klaren Ziele. Mit Befehlen von der Obrigkeit sollten Militärs ja eigentlich einige Erfahrung haben.

Christine Lambrechts Rücktrittserklärung im Wortlaut

„Ich habe heute den Bundeskanzler um Entlassung aus dem Amt der Bundesministerin der Verteidigung gebeten. Die monatelange mediale Fokussierung auf meine Person lässt eine sachliche Berichterstattung und Diskussion über die Soldatinnen und Soldaten, die Bundeswehr und sicherheitspolitische Weichenstellungen im Interesse der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands kaum zu. Die wertvolle Arbeit der Soldatinnen und Soldaten und der vielen motivierten Menschen im Geschäftsbereich muss im Vordergrund stehen. Ich habe mich deshalb entschieden, mein Amt zur Verfügung zu stellen. Ich danke allen, die sich jeden Tag für unsere Sicherheit engagieren und wünsche ihnen von Herzen alles erdenklich Gute für die Zukunft.“

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